Supplementary Material for: Wirksamkeit von Arbeitszeitrestriktion in der Prokrastinationsbehandlung

<i>Hintergrund: </i>Pathologisches Aufschieben (Prokrastination) ist eine klinisch bedeutsame Störung der Selbststeuerung, die besonders in Beratungs- und Psychotherapieeinrichtungen an Universitäten gut bekannt ist. Trotzdem gibt es bisher kaum systematisch evaluierte Behandlungsmethoden. In der vorliegenden Studie wird die Wirksamkeit der Methode der Arbeitszeitrestriktion in der Prokrastinationsbehandlung dargestellt. <i>Patienten und Methoden: </i>Untersucht wurden 116 Studierende, die unter Prokrastination litten und deshalb in der Psychotherapie- Ambulanz des Instituts für Psychologie der Universität Münster vorstellig wurden. Die Arbeitszeitrestriktion beruht auf der Idee, die Arbeitszeit zu verknappen und dadurch kostbar zu machen. Betroffene dürfen nur noch zu bestimmten Zeiten arbeiten; auf diese Weise wird die Trennung von Arbeitszeit und Freizeit wiederhergestellt. Erst wenn ein definierter Anteil der vorgesehenen Arbeitszeit effektiv genutzt wurde, darf zusätzliche Arbeitszeit geplant werden. Neben Fragebogendaten zu State- und Trait-Prokrastination, Planung, Zeitmanagement und Gestaltung der Lernumgebung wurden Verhaltensmaße in Form von täglich im «Münsteraner Arbeitstagebuch» protokolliertem Arbeitsverhalten erhoben. Die Fragebogendaten wurden zu 4 Messzeitpunkten erhoben. <i>Ergebnisse: </i>Alle selbstberichteten Maße und das täglich protokollierte Arbeitsverhalten verbesserten sich signifikant. Die State- Prokrastination (Academic Procrastination State Inventory (APSI)) verbesserte sich mit einer Effektstärke von 2,24 und die Trait-Prokrastination (Aitken Procrastination Scale (APS)) mit einer Effektstärke von 1,30. <i>Schlussfolgerung: </i>Die Arbeitszeitrestriktion ist ein vielversprechender Ansatz zur Behandlung von Prokrastination.