Supplementary Material for: Krieg im Zuhause – ein Überblick zum Zusammenhang zwischen Kriegstraumatisierung und familiärer Gewalt

2009-01-26T00:00:00Z (GMT) by Catani C.
Die traditionelle Annahme eines «Zyklus der Gewalt» legt einen Zusammenhang zwischen Misshandlungserfahrungen im Kindesalter und der späteren Ausübung von Gewalt nahe. Die vorliegende narrative Übersicht beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit die Erfahrung kriegerischer Gewalt mit einer Zunahme von Gewalt in Familien und insbesondere von Kindesmisshandlung einhergeht. Dabei werden zum einen Erkenntnisse herangezogen, die aus der Forschung mit Kriegsveteranen und noch aktiven Rekruten resultieren, und zum anderen Studien, die mit zivilen Populationen, Erwachsenen und Kindern in von Krieg betroffenen Ländern durchgeführt wurden. Verschiedene Untersuchungen legen eine Häufung von Beziehungsgewalt bei Männern, die aus militärischen Einsätzen zurückgekehrt sind, nahe und machen darüber hinaus deutlich, dass nicht die erlebten Kämpfe allein, sondern vor allem daraus resultierende psychische Störungen mit einer Zunahme von Gewalt in der Partnerschaft zusammenhängen. Zur Situation der Kinder in Familien mit Kriegsveteranen ist die derzeitige Studienlage unzureichend. Es ist unklar, ob die berichteten Verhaltensauffälligkeiten bei diesen Kindern eine Sekundärtraumatisierung darstellen, die mit der väterlichen Kriegstraumatisierung zusammenhängt, oder mit der vermehrten Gewaltanwendung durch den traumatisierten Vater zusammenhängt. Zu berücksichtigen sind hier auch Arbeiten, die zeigen, dass – häufiger als die Veteranen selbst – auch die zu Hause verbleibenden Mütter emotionale und körperliche Gewalt gegen ihre Kinder ausüben. Befunde zu Familien, die in Kriegsgebieten leben, stützen die Annahme, dass sich kriegerische Gewalt auf die familiäre Ebene überträgt; sie zeigen, dass der Krieg mitsamt seinen sozialen Begleitumständen Familien besonders vulnerabel für eine häufigere Anwendung von Gewalt gegen Kinder macht. Aus den zusammengetragenen Befunden resultieren wichtige Implikationen für die Behandlung kriegstraumatisierter Familien und für die Prävention weiterer Gewalt bei den Betroffenen.