Supplementary Material for: Körperbeschwerden nach politischer Inhaftierung und deren Zusammenhang mit Ängstlichkeit und Depressivität

<i>Hintergrund:</i> Über 200.000 Menschen waren in der DDR aus politischen Gründen inhaftiert. Mehrere Studien existieren zu den psychischen (Langzeit-)Folgen dieser biografischen Erfahrung. Weniger untersucht wurden bisher die körperlichen Folgen. Ziel dieser Studie ist (1) die Ausprägungen körperlicher Beschwerden von ehemals politisch Inhaftierten in der DDR mit Daten aus der Allgemeinbevölkerung zu vergleichen, (2) die körperlichen Beschwerden mit soziodemografischen und Inhaftierungsmerkmalen in Beziehung zu setzen und (3) den Zusammenhang zwischen körperlichen Beschwerden und Ängstlichkeit sowie Depressivität innerhalb der Gruppe der ehemals Inhaftierten zu untersuchen. <i>Methoden:</i> In dieser Querschnittstudie beantworteten 149 Personen, die aus politischen Gründen in der DDR inhaftiert waren, einen Fragebogen über körperliche Beschwerden (Gießener Beschwerdebogen, Kurzform), Ängstlichkeit und Depressivität (Hospital Anxiety and Depression Scale). Für den Vergleich mit der Allgemeinbevölkerung wurde eine hinsichtlich Alter und Geschlecht vergleichbare Stichprobe aus einer deutschen Repräsentativbefragung verwendet (n = 473). <i>Ergebnisse:</i> Ehemalige politisch Inhaftierte berichten im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung auch viele Jahre nach der politischen Inhaftierung deutlich mehr körperliche Beschwerden (p < 0,001). Soziodemografische Merkmale und Merkmale der Inhaftierung stehen nur punktuell mit den angegebenen Körperbeschwerden im Zusammenhang. Zur Vorhersage von Ängstlichkeit in der Gruppe der politisch Inhaftierten leisten insbesondere Herzbeschwerden einen substantiellen Beitrag, zur Vorhersage von Depressivität Erschöpfung. Die Haftdauer ist für Ängstlichkeit und Depressivität kein signifikanter Prädiktor. <i>Schlussfolgerungen:</i> Personen, die aus politischen Gründen in der DDR inhaftiert waren, stellen eine Risikogruppe in der medizinischen Versorgung dar. Sie berichten über deutlich mehr Körperbeschwerden als die Allgemeinbevölkerung und weisen stark erhöhte Werte für Depression und Ängstlichkeit auf.