Supplementary Material for: Placebos in der Psychotherapieforschung - eine systematische Analyse am Beispiel der systematischen Desensibilisierung

2016-01-28T00:00:00Z (GMT) by Locher C. Hasler S. Gaab J.
<b><i>Hintergrund:</i></b> Die Voraussetzungen der randomisierten, Placebo-kontrollierten Evaluation - die Ununterscheidbarkeit der Therapiebedingungen für die Patienten und die Verblindung der Therapeuten - sind in der Psychotherapieforschung nicht uneingeschränkt gegeben. Das Ziel dieser qualitativen systematischen Übersichtsarbeit ist es, am Beispiel der systematischen Desensibilisierung (SD) die Vorgehensweisen zur Bestimmung der Behandlungsspezifität zu beschreiben und deren theoretische und praktische Implikationen zu diskutieren. <b><i>Methodik:</i></b> Auf der Basis einer systematischen Literaturrecherche in PsycINFO und PubMed für den Zeitraum von 1976-2015 wurden Psychotherapiestudien gesucht, in denen Patienten mit Angstsymptomen einer SD- oder Placebo-Gruppe zugewiesen und verglichen wurden. Nach Extraktion der gewählten Moderator-Variablen konnten 11 Studien eingeschlossen werden. <b><i>Ergebnisse:</i></b> Die Ergebnisse zu den spezifischen Effekten der SD waren nicht einheitlich. Eine durchgeführte Moderator-Analyse zeigte, dass der Nachweis spezifischer Effekte von der Glaubwürdigkeit des Placebos und dem dabei erlebten Ausmaß emotionaler Erfahrungen abhängig ist. <b><i>Schlussfolgerung:</i></b> Ob ein bestimmtes psychotherapeutisches Verfahren als spezifisch einzustufen ist, hängt von der Operationalisierung der Placebo-Kontrolle ab. Insbesondere bei SD scheint die Einschränkung des zu bearbeitenden Themas und in der Folge die Unterbindung der emotionalen Erfahrung des Patienten innerhalb der Kontrollbedingung eine Voraussetzung dafür zu sein, spezifische Effekte der SD zu finden.