Supplementary Material for: Erwartungsfokussierte Psychotherapeutische Interventionen (EFPI)

2016-01-06T00:00:00Z (GMT) by Rief W. Glombiewski J.A.
Erkenntnisse der Placebo-Forschung legen nahe, dass Erwartungen in Bezug auf die Wirksamkeit einer Behandlung ein entscheidender Prädiktor für den tatsächlichen Behandlungserfolg sind. Dieser Einfluss von Erwartungen wurde sowohl für die Behandlung von körperlichen Erkrankungen als auch von psychischen Störungen nachgewiesen. Bei psychischen Störungen spielen neben den Erwartungen an den Behandlungserfolg noch weitere Erwartungen eine wichtige Rolle. Dazu gehören störungsspezifische Erwartungen (z.B. Erwartungen bezüglich des Eintretens eines katastrophalen Ereignisses bei Patienten mit Angststörungen) ebenso wie Erwartungen über sich selbst und andere (z.B. «Andere werden mich ablehnen, wenn sie meine wahre Persönlichkeit kennenlernen»). Das Modell der Erwartungsverletzung (engl. expectation violation = ViolEx) stellt dar, wie Erwartungen bei psychischen Störungen entstehen, wie sie sich verändern und warum sie trotz gegensätzlicher Erfahrungen oft persistieren. Darauf aufbauend stellen wir einen Behandlungsansatz mit Fallbeispielen vor, der psychotherapeutische Interventionen durch das Fokussieren auf Patientenerwartungen optimieren kann (Erwartungsfokussierte psychotherapeutische Interventionen; EFPI). Zwar beinhalten einige etablierte psychotherapeutische Interventionen bereits (zum Teil implizit) erwartungsmodifizierende Elemente, doch EFPI stellen einen fokussierteren Ansatz dar, mit dessen Hilfe die Gründe für wenig erfolgreich verlaufende Therapien identifiziert werden und Ansatzpunkte für weitere Interventionen gefunden können.